Systemkritik

Systemgesellschaft

Die Kritik an den bestehenden Verhältnissen ist ein wesentlicher Bestandteil einer lebendigen Demokratie, sie ist für eine Demokratie geradezu lebensnotwendig. Bei vielen Menschen hat man jedoch den Eindruck, als könnten sie ohne Kritik an der Gesellschaft oder dem politischen System nicht leben, als wäre es geradezu ihr Beruf, Mängel aufzuzeigen und “den Finger in die Wunde zu legen”, wo es nur geht.

Das gilt verständlicherweise für Kabarettisten (neudeutsch “Comedians”), denn sie beziehen einen wesentlichen Teil ihres Einkommens aus der Kritik an Politik und Gesellschaft. Die große Resonanz, auf die sie stoßen, zeigt ihre Beliebtheit und den Wunsch vieler Menschen, Systemkritik nicht immer nur bierernst betreiben zu müssen.

Berühmt ist aber auch der klassische “Salonkommunist”, der mit Champagnerglas in der Hand auf jedem rauschenden Fest zu finden ist und dort charmant-eloquent System- und Gesellschaftskritik vom Feinsten zur allgemeinen Unterhaltung von sich gibt – ein gern gesehener Gast, der einen wichtigen Beitrag zum Kolorit jeder gehobenen Party der oberen Zehntausend leistet. Übrigens würde kein anderer als dieser Mensch die bestehenden Verhältnisse entschlossener verteidigen, denn würde sich das System tatsächlich ändern, hätte dieser Unterhaltungskünstler seinen Beruf für immer verloren. In den Zeiten, als es tatsächlich noch nennenswerte real existierende kommunistische Systeme auf der Welt gab, war dieser Typus dort verständlicherweise kaum zu finden.

Kabarettisten und Salonkommunisten sind letztlich aber liebenswerte und kurzweilige Mitmenschen. Wird Systemkritik allzu ernst genommen, kann es oft langweilig, teilweise äußerst unangenehm werden. So gilt als einer der bedeutendsten Aufklärer und Kritiker der gesellschaftlichen Verhältnisse seiner Zeit Jean-Jacques Rousseau, der die bestehende auf Eigentum und Egoismus begründete Gesellschaftsform als das Grundübel ausmachte, das jedem Menschen ein tugendhaftes Dasein unmöglich mache. Rousseau hatte viele Anhänger, die seiner Lehre zu folgen versuchten. Der Bekannteste von ihnen war Maximilien Robespierre, der die Ideen seines Meisters mit tatkräftiger Unterstützung der Guillotine in der wirklichen Welt realisieren wollte. Bekanntlich scheiterte er mit diesem Versuch und wurde selbst ein Opfer des “Rasiermessers der Republik” – ein gutes Beispiel dafür, dass es oft tödlich enden kann, wenn man Systemkritik allzu ernst nimmt.

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